Menschen helfen, sich selbst zu helfen.

Altkolonie "Canadiense II (Morgenland)"

 Ansiedlung

Im Jahre 1976 zogen die ersten Familien in die Altkolonie "Canadiense II".

Die Altkolonie "Canadiense II wird im Volksmund auch "Morgenland" genannt. Zum Hintergrund des Namens "Morgenland" gibt es verschiedene Geschichten. Etliche meinen, dass es damit zusammenhängt, dass die neue Siedlung im Osten der Mutterkolonie liegt. Andere erzählen, dass die Männer, wenn sie nach einigen Wochen Arbeit in der neuen Siedlung unrasiert und vollgestaubt nach Hause kamen als die Weisen aus dem Morgenland bezeichnet wurden.

Die Altkolonie "Canadiense II" ist eine Tochterkolonie der Altkolonie "Canadiense I".

Da man in der Umgebung der alten Kolonie nur kleinere Landflächen zu hohen Preisen kaufen konnte, wurde weiter weg nach einem passenden Siedlungsland gesucht. So kauften David Neufeld und Johann Görtzen als Beauftragte der Altgemeinde im Jahre 1974 ein großes Landstück an der Ostseite des Rio Grande 30 Kilometer südlich vom Städtchen Pailon und 100 Kilometer entfernt von Santa Cruz.

Im Jahre 1976 zog dann die erste Siedlerfamilie Abram G. Töws auf das neue Land. Erst im Jahr 1977 kamen dann die nächsten Siedlerfamilien Dietrich Unger, Abram W. Dörksen und andere aus der Altkolonie "Canadiense I" mit ihrem Hausrat nach.

Gerodet wurde der Wald direkt mit Raupenschleppern. 

Schule

Der Schulunterricht begann im Jahre 1979 in der neu erbauten Schule. Als erster Schullehrer unterrichtete David H. Neufeld damals 13 Schulkinder.

Im Jahre 2007 hatte die Altkolonie 7 Schulen mit je einem Schullehrer und rund 200 Schülern.

 Krankenpflege

 Aus der Mutterkolonie kamen keine Krankenpfleger mit in die neue Siedlung, doch begannen bald etliche Personen privat mit der Krankenpflege. Bei schwierigen Fällen fuhr man in die Satdt Cotoca oder nach Santa Cruz.
Während der Jahre wurde dann in "Canadiense II" eine kleine Klinik auf dem Hof von Hans und Lisa Neufeld aufgebaut, welche den Siedlern auch Internierungsmöglichkeiten bot. Die Altgemeinde war bei dem Bau behilflich. Diese Klinik war 2007 noch in Betrieb und stand den Notleidenden zur Verfügung. Darüber hinaus gab es noch den "Zurechtmacher" David Dörksen und für Zahnangelegenheiten war Johann Dörksen zuständig. Alle Arbeiten im gesundheitlichen Bereich wurden privat gemacht.
Heute fahren die meisten Leute für extra Behandlungen nach Santa Cruz.
Gemeinde
Zu den ersten Ansiedlern gehörte auch der Prediger Willi Wiebe, der während des ersten Jahres die Gottesdienste in verschiedenen Heimen leitete. Dann zog auch Prediger David Neufeld in die Altkolonie "Canadiense II".
Ältester Heinrich Dück versah den Ältestendienst erst von der Altkolonie "Canadiense I" aus. Später zog er dann mit seiner Familie im Jahre 1983 auch in die neue Siedlung.
Anfänglich fanden die Gottesdienste reihum in den Heimen statt. Als dann 1979 die erste Schule fertig gestellt wurde, konnten die Gottesdienst da abgehalten werden.
Die erste Kirche in der Altkolonie "Canadiense II" wurde im März 1988 eingeweiht. Im Jahre 1994 wurde die zweite Kirche in Campo 8 fertig.
Im Jahre 2004 trat Ältester Dietrich Dück aus Altersgründen zurück und Peter Dörksen wurde als  Ältester der Altgemeinde ordiniert.
Im Jahre 2007 leitete Ältester Peter Dörksen noch die Altgemeinde und ihm standen 6 Prediger und 3 Diakone zur Seite.
Seit August 2015 gibt es in dieser Altkolonie auch eine Neugemeinde. Die Geschwister hatten sich vorher schon getroffen und am 16.August 2015 wurde das neue Gemeindehaus eingeweiht.

 Wirtschaft

Der Wald wurde direkt mit Raupenschleppern gerodet und für den Ackerbau und Weideland vorbereitet. Maschinen, Hausrat und Vieh brachte man aus der Mutterkolonie mit.
Während der ersten Jahren wurde viel Mais und etwas Soja angepflanzt. Dazu kam dann noch Sorghum, hauptsächlich als Futter für das Vieh und die Pferde.
Im Jahr 2007 galt die Soja als Hauptprodukt der Landwirtschaft in der Altkolonie, obwohl auch noch Mais angebaut wurde. Sesam, Sonnenblumen und Baumwolle werden in kleinerem Maßstab angepflanzt. 
Es gibt meistens zwei Ernten pro Jahr, obzwar die Altkolonie "Canadiense II" in einer Region liegt, wo es im Winter auch immer wieder mal wenig Regen gibt.
Bei dem Umzug aus der Mutterkolonie "Canadiense I" in die Tochterkolonie "Canadiense II" brachten die Siedler ihre Milchkühe mit. So begann man schon in den ersten Jahren der Kolonie mit der Käseproduktion. Der Käse wurde zu Hause gemacht und jeder Produzent brachte seinen Käse dann auf den Markt nach Santa Cruz oder auch nach Cotoca. Erst im Jahr 2001 wurde eine private Käserei gegründet, die dann die Milch aufkaufte und zu Käse weiterverarbeitete. Der Käse wurde dann von festen Käufern aus Santa Cruz abgeholt.
Im Jahre 2007 machten noch etliche Familien selber Zuhause Käse. Die meisten Familien aber verkauften ihre Milch an die Käserei (durchschnittlich 10.000 Liter täglich) oder brachten die Milch an eine Milchsammelstelle der Molkereigesellschaft "PIL". Zunehmend wird immer mehr Milch von "PIL" in Kühltanks abgeholt, sodass die Käserei in der Altkolonie weniger Käse produziert.
Die Fleischtierhaltung gewinnt immer mehr an Bedeutung, obzwar die meisten Einnahmen aus der Milchproduktion kommen. Während der letzten Jahre kamen die größten Einnahmen der Altkolonie aus der Milchwirtschaft. 

Durch die günstige Wetterlage gab es zwischendurch immer wieder sehr gute Ernten, sodass die Landwirtschaft bei guten Ernten und guten Preisen für die Agrarprodukte die Milchwirtschaft was die Einnahmen angeht überholt.

Die Wasserversorgung der Altkolonie wird durch Brunnen gewährleistet, die eine Tiefe von 60 Meter haben. Diese Brunnen liefern viel und gutes Wasser. Der Wasserspiegel steigt im Rohr bis auf 15 Meter unter der Oberfläche auf.

(Informationen von Ältesten Dietrich Dück und Prediger David Neufeld)


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